Was geschieht bei
der SOMA-Methode und wie funktioniert sie?

Ohne Hilfsmittel, nur mit Fingern,
Knöcheln, Faust und Ellbogen arbeitet der SOMA-Practitioner direkt
am Bindegewebe und Fasziensystem, befreit die Muskulatur von Verklebungen
und Verspannungen, »verflüssigt« verdicktes Bindegewebe
und gleicht den Tonus zwischen den Muskelpaaren wieder aus.
Die Arbeitsweise ist dabei nicht mit einer Massageart
zu vergleichen. Die Griffe und Methoden die angewendet werden, zielen
auf eine tiefgehende Lösung. Insgesamt wird in nur 10
Sitzungen von je 60 - 90 minütiger Dauer am Körper
gearbeitet. Der Abstand zwischen den einzelnen Sitzungen kann individuell
vereinbart werden. Ein wöchentlicher Turnus hat sich dabei als
besonders günstig erwiesen, ein längerer oder kürzerer
Abstand hat aber auf das Ergebnis keinen nachteiligen Einfluss.
Die
Sitzungen sind wie folgt gegliedert:
1. Sitzung: Körperanalyse, Arbeit und Lösung
an den oberen, leicht zugänglichen Schichten von den Knien bis
zum Hals.
2. Sitzung: Bildung des strukturellen Fundaments durch Arbeit an Unterschenkeln
und Füßen sowie am Rücken.
3. Sitzung: Verlängerung der Rumpfseitenlinie, Arbeit am Becken-
und Schultergürtel.
4. 5. und 6. Sitzung: Befreiung und Ausrichtung des Beckens durch
die Arbeit an den Aufhängungspunkten unten, vorne und hinten.
7. Sitzung: Arbeit an Kopf, Hals und Schultern. Ausrichtung des Kopfes.
8. Sitzung: Integration der unteren Körperhälfte.
9. Sitzung: Integration der oberen Körperhälfte.
10. Sitzung: Integration des ganzen Körpers, Arbeit an den Gelenken.

Verspannung - Verdickung -
Verklebung.
Die Rolle des Bindegewebes und der Faszien bei der Körperhaltung.
In unserem Körper spielt das Bindegewebe
eine ganz besondere Rolle. In dicken Schichten bildet es Sehnen und
Bänder. In dünneren Schichten umhüllt und trennt es
alle Einzelteile unseres Körpers: Organe, Knochen, Hautschichten,
Muskeln, sogar jede einzelne Muskelfaser. Die
hautähnliche Umhüllung der Muskeln wird Faszie
genannt. Sie erfüllt außer der Funktion der Trennung weitere
wichtige Aufgaben: die Lymphe wird zwischen den Faszien abgeleitet
und die Faszien verleihen den Muskeln ihre Form.
Grundsätzlich haben die Faszien die Aufgabe, die unabhängige
Bewegung der einzelnen Muskeln zu gewährleisten. Sie entsprechen
vergleichsweise den Schmiermitteln in einem Motor.
Ein Querschnitt durch den Oberarm:
die Muskeln wurden entfernt, um den Faszienverband
zu zeigen.

Zu Fehlhaltung kann es nun durch verschiedene
Umstände kommen. Negative physische und psychische Einwirkungen
lassen uns unsere Muskeln anspannen. Nach Verletzungen, Unfällen,
Operationen z.B. nehmen wir eine sogenannte "Schonhaltung"
ein. Dabei werden zwar die angegriffenen Körperteile geschützt,
die Muskeln jedoch verspannt.
Auch Situationen, die wir als seelisch belastend empfinden, oder Stress
führen zu Verspannungen. So kann eine ständig wiederkehrende
Zurückweisung zu einer dauerhaften Verspannung führen.
Wird, als Beispiel, ein Kind häufig in seinen Bedürfnissen
- vor allem nach Liebe und Anerkennung - abgewiesen, so nimmt folglich
sein Körper eine ganz bestimmte Haltung ein. Über das Nervensystem
erfolgt auf diese Art eine Programmierung, die Muskeln in gewissen
Bereichen anzuspannen.
Ein
weiterer, sehr wichtiger Bereich betrifft fast alle Menschen:
Es handelt sich um den Psoasmuskel, seinen
Einfluß auf die Beckenstellung und damit auf die Körperhaltung
insgesamt. Es ist ein sehr tief im Bauchraum, links und rechts der
Lendenwirbelsäule verlaufender, am Oberschenkel ansetzender Muskel,
der die Aufgabe hat, beim Gehen und Laufen die Beine zu heben.
Fast bei allen Menschen liegt eine Verdrehung
des Beckens vor. In den meisten Fällen ist dabei, bedingt
durch eine stärkere Anspannung des linken Psoas, das Becken links
mehr nach vorne geneigt.
Wir sehen die Ursache dafür in der embryonalen Entwicklung im
Mutterleib während der letzten drei Schwangerschaftsmonate. Der
Fötus nimmt aufgrund des immer geringer werdenden Platzes eine
Stellung ein, in der in der Regel das rechte Bein mehr, das linke
weniger ausgestreckt werden kann. Dadurch spannt der linke Psoas mehr
an und zieht aufgrund seiner Lage das Becken links nach vorne. Da
meistens nach und nach auch der rechte Psoas anspannt, wenn auch nicht
so stark wie der linke, kippt das gesamte Becken.
Jede Fehlstellung des Beckens wiederum bewirkt wegen seiner zentralen
Lage Fehlstellungen des ganzen Körpers. Die Ausrichtung des Beckens
bestimmt, welche Stellung die unteren Gliedmaßen, die Wirbelsäule
und somit auch die oberen Gliedmaßen einnehmen.
Häufig denken Menschen, dass eine bestehende Fehlhaltung erblich
bedingt sei, weil schon Urgroßeltern, Großeltern und Eltern
diese Haltung einnahmen. Das stimmt in den meisten Fällen nicht.
Wir übernehmen im Kindesalter oft Verhaltensweisen
wie Gesten, Mimik, Gewohnheiten und Körperhaltungen von
Bezugspersonen, die wir besonders mögen. Hinkt z.B. der heissgeliebte
Großvater oder hat er einen Buckel, ist es kein Wunder, wenn
das Enkelkind ihm durch Nachahmung früher oder später ähnlich
wird. Es entstehen dadurch anerworbene, nicht angeborene Haltungsfehler.
Was
immer auch für Einflüsse vorliegen, in allen Fällen
werden Muskeln angespannt und zwar in einer Art und Dauer, die sich
für den Körper sehr nachteilig auswirkt. Durch die Anspannung
der Muskulatur steht auch das Bindegewebe unter Druck und wird weniger
oder gar nicht mehr bewegt.
Dadurch verdickt und versteift es.
Das Bindegewebe kann als eine Art flüssigen Kristalls betrachtet
werden. Wie Honig, der flüssig bleibt, wenn er ständig gerührt
und bewegt wird, bleibt das Bindegewebe bei freier, häufiger
Bewegung elastisch und flexibel. Unter dem Einfluß mehr oder
weniger lang anhaltender Verspannungen wird das Bindegewebe dick,
starr und unelastisch.
Ein vielleicht noch gravierenderer Einfluss kommt hinzu:
Wie schon oben erwähnt, spielen die Faszien
eine wichtige Rolle als Teil des ableitenden Systems für Stoffwechselprodukte.
Zwischen den Faszien fließt die Lymphe, eine Flüssigkeit,
die sowohl Abbauprodukte aus unseren Zellen, als auch wichtige Aufbaustoffe
transportiert. Jede Muskelbewegung unterstützt dabei den Lymphfluss.
Kommt es aufgrund von Verspannungen zu einem Stau der Lymphe, kann
es zu einer Verklebung der Faszien in diesem Gebiet kommen. Der Blutgerinnungsfaktor
Fibrinogen liegt in der Lymphe als gelöster Stoff vor, wird aber
in Kombination mit bestimmten Substanzen zu unlöslichem Fibrin.
Solche Substanzen - z.B. ATP [Adenosintriphosphat] - werden bei Muskelanspannung
frei. Durch die Fibringerinnung verkleben die Faszien intensiv miteinander.
Dieses Phänomen ist wissenschaftlich nachgewiesen. (Umfassende
Arbeiten dazu wurden hier in Deutschland von Prof.
Dr. med. K. Paulini an den Universitäten Ulm und Mainz
durchgeführt.)
Natürlich
hängen Intensität und Geschwindigkeit dieses Prozesses von
der Menge an vorhandenem Fibrinogen in der Lymphe ab. Sowohl in einem
Organismus, der noch im Aufbau begriffen ist, also bei Babies, Kindern
und Jugendlichen, als auch beim Vorliegen größerer Wundflächen,
z.B. durch eine Operation, wird eine vermehrte Menge an Fibrinogen
in der Lymphe zu finden sein. Dadurch ist erklärbar, dass Verklebungen
bei Kindem sowie nach Unfällen und Operationen besonders schnell
erfolgen.
Bei einem gesunden Erwachsenen sind Verklebungen auch bei längerer
Muskelanspannung wegen einer zu geringen Menge an Fibrinogen nicht
möglich.
Ganz
gleich, ob wir verspannt sind oder ob Verdickungen und Verklebungen
des Bindegewebes bestehen, immer wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt
sein. Die Muskeln sind nicht mehr in der Lage unabhängig voneinander
zu funktionieren. Die Leistungsfähigkeit wird deutlich geringer,
da nun ganze Muskelgruppen anstelle der dafür vorgesehenen Muskeln
bei einer Bewegung mobilisiert werden müssen.
Der Körper verliert die Möglichkeit, sich selbst in das
optimale strukturelle Gleichgewicht zu bringen. Er muß nun ständig
gegen die Erdanziehungskräfte ankämpfen. Häufig leiden
wir unter chronischen Schmerzen, Stresssituationen können nur
unter Anstrengung bewältigt werden und die Verletzungsgefahr
beim Sport ist erhöht.
Auch durch Gymnastik, Sport oder anderen Bewegungsarten
ist es nicht möglich, Verdickungen oder Verklebungen des Bindegewebes
aufzulösen. Zwar werden dabei Sehnen und Bänder gestreckt
und elastisch gehalten, jeder weitere Einfluss auf Bindegewebe und
Faszien ist jedoch gering.
Die
Vorteile von SOMA sind:
1. SOMA wendet den zur Lösung notwendigen
Druck so an, daß das Nervensystem ihn akzeptieren kann.
2. Der SOMA-Prozess überschreitet
nie die jeweilige persönliche Schmerzgrenze. Auch wenn während
der Arbeit Schmerzen auftreten, liegt die Kontrolle immer bei dem
behandelten Menschen, der jederzeit »Stop« sagen kann.
3. Die Arbeit ist dadurch nicht nur angenehmer,
sondern auch sehr viel wirkungsvoller und tiefer.
4. Falls emotionale Reaktionen auftreten,
sind sie nie überwältigend und werden direkt aufgearbeitet.
5. Menschen jeden Alters können
von SOMA profitieren.
6. Es gibt nur wenige Kontraindikationen
(z.B. starke Osteoporose).
7. In fast ausnahmslos allen Fällen
wird der bei der Arbeit auftretende Schmerz schon während der
Manipulation nachlassen und sofort danach ganz verschwinden.
Sind die Effekte dauerhaft?
Die Ergebnisse der SOMA-Methode zeichnen sich
nicht nur durch Dauerhaftigkeit aus, sondern die positiven Wirkungen
nehmen noch sehr lange nach Abschluß der Behandlung durch die
Neuorientierung des Muskel- und Nervensystems zu. Auch die
tiefen Bindegewebsschichten und Muskeln verändern sich - jedoch
langsamer als die oberen Schichten.
Es hängt von der jeweiligen Struktur des Körpers ab, wie
schnell die tiefen, aber auch die oberflächlichen Schichten sich
umformen. So kann es geschehen, dass die vollständige Wirkung
der Sitzungen erst nach einiger Zeit eintritt.
Die Voraussetzungen für die Änderung wurden in jedem Fall
durch die Arbeit geschaffen. Das gleiche gilt auch für die psychischen
Wirkungen von SOMA. Es wird nur das bewusst, was der Mensch momentan
seelisch aufarbeiten kann.
Der Erfolg von SOMA hängt aber auch davon ab, wieweit sich der
Mensch dieser Arbeit öffnet. Der SOMA-Practitioner wird alles
tun, um das optimale Ergebnis zu erreichen. Die Entscheidung, Eigenverantwortung
zu übernehmen und mitzuarbeiten, kann jedoch nur jeder für
sich selbst treffen und in die Tat umsetzen.
Als Unterstützung und Erklärung werden Unterlagen zu den
jeweiligen Sitzungen ausgegeben, die auch bestimmte Übungen zur
Stressreduzierung, Entspannung und Beschleunigung des SOMA-Prozesses
enthalten.
Die Ergebnisse von SOMA werden natürlich durch Deformierungen
des Knochenbaus oder bei dichtem Narbengewebe in funktional wichtigen
Gebieten mit beeinflusst. Ein Mensch mit einer schweren Skoliose,
also einer starken seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule,
wird auch durch SOMA nicht einen geraden Körper bekommen können.
Aber auch in solchen Fällen hat sich gezeigt, dass SOMA erheblich
zur Steigerung des körperlichen Wohlbefindens beitragen kann.