Was ist SOMA-Körperarbeit und wie kann sie helfen?

Zur Theorie:
Soma ist eine Methode, die Menschen durch die Befreiung von muskulären Verspannungen und Verklebungen sowohl körperlich alsauch psychisch positiv aufbaut. Erreicht wird dies durch die direkte Arbeit am Faszien- und Muskelsystem des Körpers.

Der Soma-Prozess wurde in den USA entwickelt, der Begriff SOMA stammt jedoch aus dem Altgriechischen und bedeutet im ursprünglichen Sinn die Gesamtheit des Menschen, bestehend aus Körper, Geist und Seele. Hier wird auch die Philosophie deutlich, die den Mensch als Einheit begreift - dessen drei Aspekte sich gegenseitig beeinflussen.

Der Zusatz “neuromuskuläre Integration” soll verdeutlichen, dass SOMA nicht nur das muskuläre System des Körpers, sondern auch das Nervensystem wieder harmonisiert. Änderungen in der Körperstruktur werden hauptsächlich durch die direkte Manipulation an Bindegewebe und Muskulatur erreicht. Durch die detaillierte Kenntnis der Reaktionen des Nervensystems auf bestimmte Reize wirkt die Methode besonders effektiv.

Das Nervensystem erkennt den Prozess als Lösung alter Verletzungen ohne dabei eine Abwehrhaltung einzunehmen. Damit kann auch eine positive psychische Lösung alter, behindernder Muster erfolgen.


Was ist das Besondere an SOMA?
Es bestehen mehrere, grundlegende Unterschiede zu anderen Körperarbeiten.
Erstens sehen wir die Möglichkeit einer Verspannung und Verdickung des Bindegewebes und die Möglichkeit einer Verklebung der Muskelfaszien. Alleine dadurch wurden spezielle Methoden in die SOMA-Arbeit integriert, die dieser Tatsache Rechnung tragen.
Zweitens beachtet SOMA die Reaktionen des autonomen Nervensystems: Ist im Körper Stress oder ein traumatisches Erlebnis gespeichert, ganz gleich ob physischer oder psychischer Natur, so ist gleichzeitig damit auch ein latenter Schmerz verbunden.
Dies hat folgende Gründe: durch Muskelkontraktion, Verdickung und Verklebung des Bindegewebes ist die Blutzirkulation eingeschränkt. Dadurch ist das Gewebe an diesen Stellen mit Sauerstoff und Nährstoffen unterversorgt und wird berührungsempfindlich. Weiterhin sind die bei einem traumatischen Erlebnis auftretenden Emotionen in dem betroffenen Gebiet gespeichert. Wie unser Gehirn, so besitzt auch unser Körper die Fähigkeit, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern.

Erleben wir z.B. eine Verletzung als traumatisch, wird auch die emotionale Reaktion, also der dabei empfundene Schmerz, der Widerstand und die Abwehr gegen den Vorfall stark sein. Durch die Verbindung der emotionalen Erinnerung mit dem Ort der Verletzung ist das Gebiet doppelt schmerzempfindlich. Ähnlich verhält es sich mit psychischen Verletzungen. Bei der Arbeit am Körper können bestimmte Erinnerungen wieder auftauchen.

Bei anderen Körperarbeiten wird häufig Druck im senkrechten Winkel zur Hautoberfläche ausgeübt. Nahezu ausnahmslos reagiert der Körper mit Abwehr auf diesen Eingriff. Die Muskulatur verspannt sich noch mehr und verstärkt dadurch die Angst und die Schmerzen des behandelten Menschen.
Teilweise wird sogar bewusst zusätzlicher Schmerz an einem Schmerzpunkt erzeugt. Schmerz und Widerstand können in beiden Fällen so groß werden, dass die Arbeit als zusätzliches Trauma erlebt wird. Der sogenannte Reflexbogen, die bildlich als Bogen dargestellte Erregungsbahn, die vom Reizpunkt zum Zentralnervensystem und von dort zurückführt, wird in einem solchen Fall überlastet. Das Nervensystem kann die Arbeit nicht mehr als Lösung alter Traumata erkennen.

Dabei haben Schmerzen grundsätzlich eine wichtige Funktion: sie sind Indikatoren für die Anwesenheit von muskulären und emotionalen Anspannungen und zeigen, wo eine lösende Arbeit notwendig ist. Nur muß die Schmerzintensität so gehalten werden, dass es möglich ist, den Prozess sowohl psychisch als auch physisch zu akzeptieren.
Dies geschieht bei SOMA durch die besondere Arbeitsweise. Bei SOMA werden grundsätzlich nur die Schmerzen hervorgerufen, die im Körper gespeichert sind. Der SOMA-Practitioner erzeugt von sich aus praktisch keine Schmerzen. Das setzt natürlich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem SOMA-Practitioner und dem Klienten voraus.
Der SOMA-Practitioner arbeitet mit dem Klienten, statt gegen ihn. Dabei helfen entspannende Musik, die Anwendung von Kakaobutter zur Reduzierung der Hautreizung und mehrere Kissen, auf die der Klient gebettet wird. Ein Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit wird auch dadurch erreicht, daß Unterhose, Badehose bzw. Bikini oder Slip während der Sitzung anbehalten werden können.
Dr. Williams gelang es, durch intensive wissenschaftliche Studien und unter Zuhilfenahme der Elektromyographie (Aufzeichnungsverfahren der elektrischen Aktionsströme von Muskeln) diese Zusammenhänge zu erkennen und daraus ganz bestimmte Techniken und Arbeitsweisen zu entwickeln.

Das »Drei-Gehirne«-Modell
Eine weitere Basis der SOMA-Methode ist das von Dr. Williams entwickelte »Drei Gehirne«-Modell (three-brain model). Das »Drei Gehirne«-Modell ist ein Weg, das menschliche Bewusstsein und die Aktivitäten des Nervensystems in ihren Zusammenhängen zu begreifen.
Zu Grunde liegen neurophysiologische Forschungen, die ganz klar die spezifischen Unterschiede von Rolle und Funktion der linken und rechten Hälfte des Gehirns deutlich machen. Diese Forschungen zeigen, dass die linke Hemisphäre (Gehirnhälfte) am meisten aktiv ist, wenn ein Mensch mit linearem, logischem, verbalem Denken (z.B. Mathematik oder Lesen) beschäftigt ist. Die rechte Hemisphäre dagegen ist für den überblickenden, nonverbalen, intuitiven und gefühlsmäßigen Aspekt (z.B. Musik und Kunst) zuständig.
Kurz ausgedrückt könnte man sagen, dass die linke Gehirnhälfte für logisches Denken und die rechte Seite für Kreativität zuständig ist.

Fast bei allen Menschen ist eine der Hemisphären dominant, d.h., dass sie die Welt hauptsächlich vom Standpunkt der Logik oder der Intuition aus sehen und erfahren. In unserer Kultur dominiert bei den allermeisten Menschen die linke Hemisphäre, so dass viele noch nie erfahren haben, was es bedeutet, aus der rechten Hemisphäre heraus zu agieren. Das alles bekommt eine besondere Bedeutung, wenn wir uns klar machen, dass die Qualität unseres Lebens davon bestimmt wird, von weicher Seite wir es betrachten.
Aus der Sicht der linken Hemisphäre ist alles, was geschieht, ein Problem, das gelöst, oder eine Herausforderung, die gewonnen werden muß. Die Welt besteht nur aus Gewinnern und Verlierern und wir leben in der ständigen Angst, in die Gruppe der Verlierer zu geraten. Mit anderen Worten, die linke Hemisphäre ist »Tun-und-Haben« orientiert.
Auf der anderen Seite beschäftigt sich die rechte Hemisphäre mit »Sein«. Aus dieser Sicht ist das Leben keine Herausforderung, sondern gleicht eher einer Fahrt auf einem Fluß. Die Dinge scheinen zu »fließen«, es gibt keine Probleme, alles ist, wie es ist. Änderungen erfolgen mühelos, weil sie aus dem Akzeptieren der Dinge und Situationen, so wie sie sind, erfolgen.

Das »Dritte Gehirn« im Modell ist das Kernhirn, das aus verschiedenen Nervengeflechten, die sich im Bauchraum befinden, besteht. Funktional ist der »Kern« für die koordinierte, mühelose, fließende Bewegung zuständig. Es ist die Art und Weise der Bewegung, wie sie Tänzer und Anhänger der fernöstlichen Kampfsportarten anstreben. Dort sitzt die Quelle der Körperenergie, die die Wahrnehmungen der linken und rechten Hemisphäre in Aktivität umsetzt.

Durch die Anwendung des »Drei Gehirne«-Modells werden bei der SOMA-Methode spezifische Körperarbeit und ganz bestimmte Übungen und Techniken vereinigt, damit der Mensch größeren bewussten Zugang zu den Funktionen der linken und rechten Hemisphäre sowie seines »Kernes« erhält.
Damit kann in einer gegebenen Situation frei gewählt werden, wie darauf eingegangen werden soll. So sollte beim Ausfüllen der Steuerabrechnung die linke Hemisphäre, beim Musizieren oder Schlafengehen die rechte eingesetzt werden.
Vieles, was wir im Leben als Unglück oder Leid erfahren, hat seinen Ursprung in der Unfähigkeit, das für die Situation angemessene »Gehirn« zu aktivieren, um das Beste aus der momentanen Lage zu machen.

Durch die multidimensionale Betrachtungweise und die daraus entstandene Methode, bietet SOMA die Möglichkeit, durch die angemessene Antwort auf eintretende Ereignisse, ein freieres, effektiveres Leben zu gestalten. Als Resultat sind wir nicht nur kreativer, differentierter und koordinierter, sondern wir können spontan das ausdrücken, was wir sind, statt auf einen Reiz nur automatisch fixiert zu reagieren.